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Videoschnitt wie in der Werbung – Der Tilt-Shift-Effekt wiederbelebt von der Deutschen Telekom

Georg aus dem CyberLink-Board hat ein interessantes Thema aufgebracht: Die neue Werbung der neuen Telekom. Ausgelegt als neue Nachhaltigkeitskampagne, zeigt ein neuer Werbespot Deutschland als Modelleisenbahnlandschaft.

Wie sich Videos im Modelleisenbahnstil mit PowerDirector 8 selbst erstellen lassen, diskutiert Georg gerade in seinem Forum mit anderen Mitgliedern. Um einen möglichst drastischen Unterschied zum Original zu erzielen, gibt es einige Grundanforderungen für das Video, auf das der Tilt-Shift-Effekt angewendet werden soll. Unter anderem:

– eine erhöhte Perspektive
– keinen Vordergrund
– Bewegung im Bild wäre schön

Wie das ganze in PowerDirector 8 dann umgesetzt wird, verrät Georg in seinem Forum.

Gefällt euch der Effekt? Was haltet ihr vom „Millionen fangen an“ Video? Diskutiert hier!

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Glosse: Von Träumen mit buschigen Augenbrauen im gold-braun-hautfarbenen Ganzkörper-Look, mundgerecht serviert

Heute mehr aus der digitalen weiten Welt, dem Spiegel der realen Welt – eine Videoreise sozusagen. Wir begeben uns nach England, in das Sendestudio des englischen „Deutschland sucht den Superstar“ Pendants namens „Britain´s Got Talent“. Eine schottische, 47-jährige Frau tritt vor die Kamera, gekleidet in einem fast hautfarbenen Kleid, mit buschigen dunklen Augenbrauen und gelocktem, dunkelblondem Haar, das mit grauen Strähnen durchzogen ist.

Das britische Dieter Bohlen-Double (fragt sich, wer hier wen doublet) stellt ein paar süffisante Fragen über die Herkunft und das Alter der sich auf der Bühne befindenden Dame, es werden Publikumsreaktionen gezeigt, als die Konstestantin antwortet. Augen werden verdreht, Augenbrauen (dünner gezupfte als die der Bewerberin) werden hochgezogen.

Die Musik beginnt, Susan Boyle singt die ersten Noten von „I Dreamed a Dream“ (in der deutschen Fassung: „Ich hab geträumt vor langer Zeit“) aus dem Musical „Les Miserables“.  Dann bricht die Euphorie hervor. Das Publikum jubelt, springt von seinen Sitzen, klatscht. Die eben noch herablassende Jury reisst die Augen auf, wischt sich die Tränen aus dem Auge.

Ein modernes Märchen.

…. Moment. Hatten wir das nicht schon einmal? Erinnert sich niemand, wirklich NIEMAND, an die Telekom (T-Com, T-Online, T-Home, ach, letzten Endes bleibt sie doch die gute, alte Telekom mit einem „k“ in der Mitte) Werbung aus dem letzten Jahr? Hilft der Name PAUL POTTS (nicht zu verwechseln mit Pol Pott, obwohl die Aussprache ähnlich ist) auf die Sprünge, oder vielleicht die Erwähnung schiefer Zähn und „Nessum Dorma“?

In Zeiten der Rezession hungern die Menschen mehr denn je nach Märchen, nach Träumen mit denen sie sich identifizieren können. Früher verbreiteten Bücher, dann Zeitungen und Zeitschriften Hoffnung, später sendete sie das Fernsehen. Und nun servieren uns „benutzergenerierte“ Videos auf  Videoplattformen Träume in mundgerechten  Häppchen. In der richtigen Qualität, wahlweise in HD und in genau der richtigen Länge.

Heutzutage muss niemand mehr ein Buch lesen, um inspiriert und seelisch aufgerichtet zu werden, denn Träume werden (am besten fragen wir uns, von wem, doch darauf werde ich hier nicht eingehen) auf YouTube geladen, tausendfach vervielfältigt, verlinkt und versandt. Digitales Opium, das nach einiger Zeit (wenn alle Rechte gesichert sind) dann als Werbung verwertet werden kann. Träume, Emotionen und Gänsehaut in Reinform. Die postmodernen Drogen sind nicht mehr zum Trinken, Rauchen oder intravenös konsumierbar – wir müssen sie visuell in uns aufnehmen.

Uns bleibt zu hoffen, dass wir durch diese Drogen keinen Augenkrebs bekommen und durch  die Dauerberieselung mit Propagandaträumen nicht unsere eigenen Träume vergessen. Die Gestalt und Form unserer Träume darf weder vom Fernsehen, noch von YouTube geprägt werden. So klein es uns manchmal auch erscheinen mag, das Leben bietet uns echtes Glück – wir müssen nur genau hinsehen.  

Susan Boyle in „Britain´s Got Talent“

Paul Pott in „Britain´s Got Talent“